GREGOR TÖRZS – FRAGILE WELTEN

Do 9 Jun 2016Sa 16 Jul 2016
Öffnungszeiten: 
MI - FR 12:00 - 18:00 H, SA 10:00 - 16:00 H

„Du lehrst uns anhand dieser kostbaren Welten und ihrer Geheimnisse, die Du für uns erspürst und in die Du uns mitnimmst, ein neues Sehen, ein genaues Hinschauen, ein staunendes Innehalten – Du lehrst uns aber auch, dass wir achtsamer, aufmerksamer, sensibler werden mit dem, was uns umgibt, dass Vieles so zerbrechlich ist und innerhalb eines Flügel- oder Wimpernschlags für immer vergangen sein kann. Immer wieder verspüre ich in Deinen Werken aber auch einen Zug von Melancholie, von Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, nach einer tieferen Schönheit, die unter der Oberfläche liegt. Ich wurde in den letzten Tagen bei den Vorbereitungen zur Ausstellungseröffnung ganz häufig an Paul Klee erinnert, der einmal festhielt: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar“ – wenn ich Deine Entwicklung der letzten 10 Jahre anschaue, dann möchte ich Dir mitteilen, dass Du für mich ein mit der Kamera beobachtender und zeichnender Paul Klee geworden bist, der uns von fernen Zeiten, von anderen Welten und Räumen, ja - von der Ewigkeit erzählt.“ (Martina Kral, Juni 2016)

Bernheimer Fine Art Switzerland präsentiert zum ersten Mal die Werke des deutschen Photographen Gregor Törzs in einer Einzelausstellung. Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. phil. Martina Kral, die seit 2002 als Kuratorin der Sammlung Rosengart Luzern tätig ist.

Der Photograph Gregor Törzs folgt stets einem gewissen Reflex: Er findet etwas und hält es gegen das Licht. Ein Ort, ein Objekt oder ein Moment erzählt in seiner Transparenz von verborgenen Qualitäten wie Zerbrechlichkeit, Liebe, Geheimnis aber auch von Perfektion.

Diese Ausstellung zeigt mit einer Auswahl aus sämtlichen photographischen Serien des Künstlers, wie sich diese Herangehensweise durch sein Werk der letzten zehn Jahre zieht. Von den anfänglichen Tierwelten mit zart belichteten Negativen über Korallenriffe, die in Verbindung mit bedruckter Glasscheiben im roten Meer realisiert wurden, bis zu den auf hauchdünnem Seidenpapier gespiegelten Insekten. Seine Photographien laden den Betrachter auf eine Reise durch fremde und doch vertraute Welten ein, stets mit der Erinnerung, wie fragil das Leben selbst ist.

Seine Suche nach dem Augenblick der Zerbrechlichkeit begann Törzs 2006 mit seiner Serie Boy on Safari, die sogleich auf große Resonanz stieß. Die international vielbeachtete Arbeit am Grenzbereich des fotografischen Negativs zieht durch ihre geschickte Wahl des Bildausschnitten den Betrachter mitten in die dunkle Szenerien mit wilden Tieren, umgeben von Flora und Fauna. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich das Geheimnis.

Das Wasser als Element des stetig Fließenden und Ungreifbaren war das nächste größere Projekt des Künstlers. An seiner Serie Ciel Lourd arbeitet Törzs seit 2008. Mit einem eigens dafür konstruierten wasserdichten Gehäuse verbrachte er hunderte von Stunden im Roten Meer um die geheimnisvolle Schönheit der Tiefen festzuhalten. Für seine Vision, nahm Törzs sogenannte matte paintings - motivisch bedruckte Glasscheiben – und vermischte vermeintlich Reales mit Imagination, Statisches mit Bewegtem, Oben mit Unten. Eine Weiterentwicklung der Serie folgte im Jahre 2014 als Törzs die weltweit erste Unterwasserkamera für großformatige Negative (24x36 cm) konstruierte und die Serie Ultramarine realisierte. Sie evoziert eine stille, melancholische Unterwasserwelt und bringt durch die außergewöhnliche Plastizität die vermeintlich klaren Realitätsebenen durcheinander.

Seit 2010 begeisterte sich Gregor Törzs vermehrt für die mikroskopische Photographie. In der Serie dieser sogenannten Microtypes entwickelte er Abbildungen von Insekten, Uhrwerken und Diamanten im aufwendigen Platindruck auf handgeschöpften, hauchdünnem Gampi Papier. Diese Arbeiten mögen an die Geburtsstunde der abendländischen Wissenschaft im 16. Und 17. Jahrhundert erinnern, als sich die Zweige der Entomologie und Mineralogie als seriöse Studienfächer formierten und man glaubte die Welt durch Systeme und Strukturen erklären zu können. Doch ist ihnen der analytische, rationale Gedanke fremd und so driften die Arbeiten in den philosophischen Bereich. Auf dem empfindliche Japanpapier, auf dem die grazilen Wesen zu schweben scheinen, formulieren sie existenzielle Frage zur Wirklichkeit, dem Leben und seiner Fragilität.

Die neuste Werkserie Bliss könnte ebenso aus der Welt der Mikro-Strukturen stammen und wie so häufig, wenn man meint den Künstler durchschaut zu haben, führt er dem Betrachter in einen neuen, instabilen Moment der sinnlichen Wahrnehmung. Diese Photogramme entstanden als getrocknete Salzkristalllösungen auf Glas direkt belichtet wurden. Diese dynamischen, grafischen Strukturen, winden sich wie Grashalme in sommerlichen Stürmen.

So unterschiedlich die einzelnen Serien von einander sein mögen, eines bleibt ihnen allen gleich: formal strebt Törzs durch aufwendige photographische Verfahren nach Perfektion, die Ergebnisse sind dagegen so empfindlich und zerbrechlich als seinen sie nicht real und führen uns immer wieder in vermeintlich neue und zugleich vertraute Welten.