SUMMERTIME

Do 25 Jun 2015Fr 7 Aug 2015
Öffnungszeiten: 
Di - Fr: 10:00 – 18:00; Sa: 11:00 – 16:00

Die Galerie Bernheimer präsentiert entsprechend der Jahreszeit die Gruppenausstellung SUMMERTIME – mit Photographien von Martin Pudenz, Gregor Törzs, Mat Hennek, Toni Schneiders, Veronica Bailey, Nick Brandt, Silke Lauffs sowie Gemälde von Abraham Brueghel, Anton Henstenburgh, Conrat Roepel, Katherine Manisco und Norbert Tadeusz. Außerdem wird zeitgenössisches Kunsthandwerk gezeigt, darunter Keramiken von Carina Ciscato, Jacob van der Beugel und David Roberts, Bronzen von Halima Cassell und Glasobjekte von Louis Thompson.

Ob Südamerika oder Zentraleuropa, zu Land oder unter Wasser, unsere Summertime Ausstellung zeigt eine große Bandbreite an Motiven, ausgeführt in den unterschiedlichsten Techniken und Materialien.

Mit Photographien von deutschen und amerikanischen Landschaften im aufwendigen Bromöldruckverfahren knüpft Martin Pudenz an technische wie bildnerische Traditionen des 19. Jahrhunderts an. Die oft im grellen Sonnenlicht entstandenen Unikate wurden teils in Deutschland, teils in den Wüsten Amerikas aufgenommen: Dabei galt Pudenz Interesse vornehmlich den majestätischen Saguaro Rießen-Kakteen Arizonas. Die atmosphärisch aufgeladenen Photographien entführen den Betrachter in die Weiten einer verwunschenen Natur.

Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt das Palatin/Palladiumdruck-Verfahren, das Gregor Törzs für seine Photoarbeiten verwendet. Mit der Serie “Ultramarine” entführt er den Betrachter unter Wasser in die Gefilde der Korallenriffe. Mit einer eigens angefertigten Kamera, der Ultramarine, die es ihm ermöglicht auch Unterwasser mit großen Negativen zu arbeiten, konnte er einzigartige Tiefseeaufnahmen anfertigen. Seine Tauchgänge werden lange im voraus minutiös geplant und verlangen Törzs unzählige, auch körperlich strapaziöse, Stunden unter Wasser ab. Das Ergebnis sind träumerisch schöne schwarz-weiß Photographien, bei denen es sich durch das einzigartige Druckverfahren allesamt um Unikate handelt.

Tief in die Wälder Zentraleuropas entführen den Betrachter die Photographien von Mat Hennek. Er arbeitet mit einer analogen Mittelformatkamera auf farbigem 6x6 Film und verdichtet Bäume und Pflanzen in seinen Photographien zu komplexen Bildausschnitten ohne Boden und Horizont. Die sorgfältig selektierten Baumstämme fügen sich zu einer zum Himmel strebenden Choreographie und steigern die Sehnsucht nach einer ursprünglichen Natur. Im gleichen Rhythmus, haltlos und schwebend, entstand die Aufnahme einer Welle in Tel Aviv, die Mat Hennek nachts zum Leuchten brachte.

Der Photograph Toni Schneiders (1920-2006) gehört als einer der Mitbegründer der Gruppe fotoform zu den wegbereitenden Persönlichkeiten der deutschen Photographie. Zu Lebzeiten bereiste er, getrieben von seinem Interesse an fernen Kulturen, die Welt, oft auch im Auftrag von Zeitschriften und Magazinen. So führten ihn seine Reisen nach Südeuropa, Skandinavien, Äthiopien, Nordafrika, nach Japan und Südostasien.

Mit seinem Sinn für abstrakte Motive und seinem Ideenreichtum für surreale Szenen, schuf er viele bemerkenswerte Bilder, von denen in der Ausstellung vom Künstler selbst angefertigte Vintageprints angeboten werden.

Eine sehr poetische Serie präsentieren wir von Veronica Bailey. Die Blumenstillleben, aufgenommen im Herbst 2013, bearbeitete Bailey sechs Monate nach der Entstehung mit Aniline-Dye-Tusche/Tinte und gab der Serie den Titel „renewal“ (Erneuerung). Angelehnt an das Gedicht „The Autumn“ des englischen Dichters John Keats (1795-1821) tragen alle Aufnahmen der Serie alle einen Versauszug von Keats als Titel. Wie im Jahreszeitenverlauf soll diese Transformation der ursprünglichen Materialität einen metaphorischen Versuch darstellen, die einst vergessene Flora auf ein Neues zu beleben.

Die schwarz-weiß Photographien der in Berlin lebenden Silke Lauffs zeigen einzelne Blüten derartig in Nahsicht, dass die Blüten sich malerisch in leichter Unschärfe auflösen. Durch die zusätzliche Sepiatonung erhalten die Abzüge eine Zeitlosigkeit, die den Arbeiten eine besondere Ästhetik und Anmutung verleihen. Weitere Werke mit Küstenlandschaften von Binz und Bansin, im Panoramaformat aufgenommen und ebenfalls mit Sepia getont, offenbaren im fahlen Morgenlicht die menschenleere Schönheit der Natur und lassen durchaus an die Reisephotographie des ausgehenden 19. Jahrhunderts denken.

Die Malereien des großen deutschen Künstlers Norbert Tadeusz (1940-2011), vervollständigen das bunte Zusammentreffen unserer Summertime Ausstellung.

Tadeusz war nicht nur ein Kommilitone solcher Größen wie Richter und Immendorf, sondern auch Meisterschüler von Beuys. Vor allem ist er aber einer der wenigen Maler seiner Zeit, der ganz dem Gegenständlichen verpflichtet ist. Ganz entgegen der gängigen abstrakten Strömungen, die damals den Lehrbetrieb der Düsseldorfer Kunstakademie prägten, entschloss sich der junge Künstler, der schon immer die Alten Meister der Renaissance und des niederländischen Goldenen Zeitalters schätzte, dem Gegenständlichen treu zu bleiben – einen Weg, den er stoisch, trotz großer Widerstände, bis an sein Lebensende verfolgte. Das Resultat seines Schaffens ist ein singuläres Werk mit einer ganz eigen gewachsenen Bildwelt.

Die von Tadeusz so geschätzte Malerei der sogenannten Alten Meister des Goldenen Zeitalters wird in der Ausstellung exemplarisch in einem prachtvollen Blumen- und Früchtestillleben des Malers Abraham Brueghel (Antwerpen 1631–1697 Neapel) vor Augen geführt. Die barocke Fülle der Früchte und Farben ist ebenso beeindruckend wie das außergewöhnliche Arrangement im Freien mit einem antiken Steinrelief. Abraham Brueghel verließ Flandern in jungen Jahren, lebte zunächst in Rom und ab 1670 in Neapel. In Italien wird sein Stil pastoser und unser Bild wird in die zweite Hälfte der 1670er Jahre datiert. Die Klarheit der Details, die weiche Bearbeitung und die Kraft der Farben sind typisch für den Stil des Malers in dieser Zeit.

Ebenso farbenprächtig präsentiert sich ein Aquarell auf Pergament von Anton Henstenburgh (Hoorn 1695–1781). Vier bunte Papageien tänzeln in ihrer Zartheit auf kleinen Ästen und zeigen, dass auch ein feines Aquarell neben den Photographien, der Acryl- und Ölmalerei als sommerliche Komposition mit eigener Ausdruckskraft Bestand hat.

Im Bereich des Kunsthandwerks sind Keramiken der Künstler Carina Ciscato und Jacob van der Beugel ausgestellt. Ob als einzelne Gefäße oder als Objekte in Serie haben diese Keramiken eine filigrane Ästhetik, die sich vom Konventionellen abwenden. Bei David Roberts überrascht der moderne Umgang mit der jahrhunderte alten japanischen Raku Keramik. Von Halima Cassell werden zwei Bronzeobjekte gezeigt, die abstrakt und organisch geformt von großer Harmonie zeugen und der Glaskünstler Louis Thompson vollendet mit seinen aufwendig geblasenen Glasvasen in den Farben von Smaragdgrün bis Brillantgold den sommerlichen Farbreigen. Im Inneren der Vasen sind andersfarbige Glasfäden eingeschlossen, die eigene Strukturen bilden.