TONI SCHNEIDERS: RETROSPEKTIVE

Sa 28 Feb 2015Sa 18 Apr 2015
Öffnungszeiten: 
Mi bis Fr 12:00 - 19:00 Uhr; Sa 10:00 - 16:00 Uhr

Bernheimer Fine Art präsentiert vom 28. Februar bis 18. April 2015 eine umfassende Retrospektive des deutschen Photografen Toni Schneiders (1920 – 2006), der zu den wichtigsten Figuren der Photographie der Nachkriegszeit in Europa zählt. Als Mitbegründer der avantgardistischen Gruppe fotoform (u.a. Teilnehmer der ersten Weltausstellung der Photographie in Luzern 1952) und Pionier der Reisephotographie gehören seine Bilder zu den herausragendsten Beispielen der Kunstphotographie des 20. Jahrhunderts.

Fotoform war eine progressive und am photografischen Experiment interessierte Gruppe, die Toni Schneiders zusammen mit Otto Steinert, Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser und Wolfgang Reisewitz 1949 ins Leben rief. Mit ihrer Gründung wurde die sogenannte „subjektive Photografie“ angestoßen, die sich zu einer international beachteten Stilrichtung etablierte und bewies, dass es möglich war aus dem Impuls an die künstlerische Avantgarde der Vorkriegszeit anzuknüpfen. Die Stilrichtung wiedersetzte sich dem Verständnis der Photografie als autonome, am Objekt orientierte Kunst und brach mit der Illusion ihrer absoluten Objektivität. Es entstand eine vermenschlichte und individualisierte Photografie, bei der die Person des Photographen spürbar ist. Obwohl sich die Gruppe Ende der 1950er Jahre wieder auflöste, rüttelte sie die Bildtradition vor allem im Hinblick auf ihre starre Eindimensionalität in der Darstellungsweise entscheidend auf und legitimierte somit die Photographie als grundsätzlich freies künstlerisches Medium. Die einfache, idealisierte Darstellung wich einer differenzierten Bildsprache der leisen Töne, die inhaltlich viel Raum für individuelle Interpretation ließ.

Seit Anfang der 1950er Jahre arbeitete Toni Schneiders als freischaffender Photograph und hielt Motive aus Kunst, Architektur, Landschaft und Industrie fest. Er fotografierte für Buchillustrationen und Magazine wie z.B. den MERIAN Verlag. Formal spannt sich sein Werk über gegenständlich bis zu hin zu völlig abstrakt, jedoch ist es immer geprägt von einer emotionalen Tiefe, die differenzierte Stimmungen ausdrückt, deren Spektrum von melancholisch über poetisch bis heiter reicht.

Wie kein anderer konnte er als einfühlsamer Beobachter die innere Erstarrung der Menschen im Nachkriegsdeutschland sinnbildhaft zusammenfassen. Den Kummer, die Müdigkeit und Desillusion wie im Gesichtsausdruck der „Wartenden Frau“ (1951) oder die vorherrschende Stimmung der Traurigkeit wie er im Werk „Ein trister Tag“ (1955) einfangen konnte. Immer wieder greift er auch das Motiv des Zuges als Symbol für den schmerzlichen Übergang auf.

Gegen Ende der 1950er Jahre dokumentiert er sein unermüdliches Reisen durch Äthiopien, Griechenland, Japan, Jugoslawien, Skandinavien, Italien und Südostasien. Seine Menschenbilder aus dieser Zeit beweisen, dass seine Photographie kein grundsätzlich pessimistisches Weltbild vertritt, sondern mit viel Sensibilität die vorgefundene Atmosphäre verdichtet. Jenseits des Klischeehaften, sucht er nach den Gemeinsamkeiten der Menschen unabhängig der Kulturunterschiede. Mit viel Einfühlungsvermögen hält er die unterschiedlichen Lebensgefühle fest, ohne diese plakativ oder vordergründig zur Schau zu stellen.

Über sechs Jahrzehnte hat sich seine Bildsprache trotz der beeindruckenden Bandbreite nie radikal verändert sondern vielmehr pointiert und verfeinert.

1999 erhielt Schneiders für sein Lebenswerk den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie, zusammen mit Siegfried Lauterwasser und Wolfgang Reisewitz. Anlässlich seines 85. Geburtstag 2006 wurde er mit zwei großen Museumsausstellungen im Landesmuseum Koblenz und dem städtischen Museum Singen geehrt. Am 4. August 2006 stirbt Toni Schneiders in Bad Schachen bei Lindau.