PARIS IM LICHT - PHOTOGRAPHIEN VON CHRISTOPHER THOMAS

Do 2 Okt 2014Sa 15 Nov 2014

Bernheimer Fine Art Photography präsentiert im Herbst 2014 in den Galerieräumen der Brienner Strasse in München die Ausstellung Paris im Licht. Photographien von Christopher Thomas.

Ira Stehmann ist Kuratorin der Ausstellung und Herausgeberin der Monographie zu Christopher Thomas´ Paris-Photographien, die im Prestel Verlag erscheint und bei der Eröffnung der Ausstellung präsentiert wird.

Als Künstler bekannt geworden ist Christopher Thomas mit seinen Städteporträts: Stille Aufnahmen von Stadtansichten mit der Großbildkamera festgehalten und auf Büttenpapier geprintet. Das Filmmaterial ist ein Schwarzweiß-Film vom Typ 55 von Polaroid.

Den Auftakt zu den Städteporträts bildete der Zyklus Münchner Elegien, der 2005 im Fotomuseum München gezeigt wurde (veröffentlicht bei Schirmer/Mosel, 2005), gefolgt von der Serie New York Sleeps, die zwischen 2001 und 2009 entstand. Die zugehörige Publikation New York Sleeps. Photographs by Christopher Thomas erschien 2009 im Prestel Verlag (6. Auflage 2012) und wurde kurz darauf mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet.

Die in den Jahren 2011 und 2012 entstandene Polaroid-Serie Venedig. Die Unsichtbare wurde weltweit in Galerien und auf Messen gezeigt, in Buchform erschien sie 2012 im Prestel Verlag. Dort erscheint zur Ausstellung bei Bernheimer Fine Art Photography, München auch das Buch seiner neuesten Arbeiten: Paris im Licht. Photographien von Christopher Thomas. Die neuen Arbeiten Paris im Licht werden in München zum ersten Mal ausgestellt. Christopher Thomas lebt in München.

Die französische Hauptstadt in all ihrer Schönheit, ihrem betörenden Licht und ihrem Flair lädt geradezu ein, ein photographisches Liebesgedicht für sie zu erfinden. Beflügelt von diesem Gedanken, machte sich Christopher Thomas in den Jahren 2013 und 2014 auf den Weg, um nach seinen Städteporträts Venedig. Die Unsichtbare (2011), New York Sleeps (2009) und Münchner Elegien (2001–2005) auch Paris, die große Kulturstadt und erste Metropole der Moderne, in auratischen und brillant komponierten Bildern einzufangen.

In seinem neuen Werkzyklus nimmt uns Christopher Thomas mit auf eine Reise durch das Paris der Vergangenheit, so wie wir es aus den zahlreichen Aufnahmen des 19. Jahrhunderts kennen: Er zeigt die Brücken, die Parks, die Gassen, setzt seinen Spaziergang fort entlang der Kais, vorbei an den grandiosen Palästen und den Wahrzeichen wie dem Eiffelturm, dem Louvre, dem Invalidendom und der Kathedrale Notre-Dame. Offenbart wird dem Betrachter eine Stadt der Stille, menschenleer und ohne Autos. Ungewöhnliche Bilder, die unwirklich und traumhaft erscheinen, zumal wenn man Paris mit seinen allgegenwärtigen und von Jahreszeiten unabhängigen Touristenmassen – rund 87 Millionen waren es im letzten Jahr – kennt.

Wie schon Eugène Atget (1852-1927) zieht Christopher Thomas als Flaneur mit schwerer Kameraausrüstung los. Dabei ist sein Blick immerzu neugierig, forschend, unbelastet, entdeckungsfreudig und prüfend. In der Regel bevorzugt er die frühen Morgenstunden, wenn die Stadt noch zu schlafen scheint und still ihre Struktur offenbart, oder aber die Zeit kurz vor Sonnenuntergang, wenn das Licht die Gebäude oder Brücken mystisch umhüllt und deren Struktur zum Leuchten bringt. In seiner Ausrüstung sind eine Auswahl von Großformatkameras des Typs Cambo Wide, ein Stativ, ein dunkles Samttuch und viele Schachteln Polaroid-Filme versammelt. Bevor Polaroid im Jahr 2008 die Produktion einstellte, konnte sich Christopher Thomas noch einen Vorrat an Filmmaterial zulegen, von dem er bis heute zehrt. Viel mehr als in seinen anderen Städteporträts lässt er sich in der neuen Werkserie auf Experimente ein; dies hängt mit den altersbedingten Unregelmäßigkeiten des Polaroid-Films zusammen, der allmählich unzuverlässig wird und oftmals zu Solarisationen und Umkehrungen führt. Der vom Photographen verwendete Film des Typs 55 enthält, neben dem üblichen Positiv, auch ein Negativ. Durch das große Negativ (4 x 5 inches) stellt Christopher Thomas sicher, dass die Abzüge (Pigmentdrucke auf handgeschöpftem Arches-Büttenpapier) seinen hohen Ansprüchen in Bezug auf Detailreichtum und feinste tonale Nuancen gerecht werden. Er, der als bekannter Photograph einer glamourösen Warenwelt mit fortschrittlichsten digitalen Kameras arbeitet, bedient sich hier eines technischen Verfahrens aus den Anfängen der Photographie, das viel „Handarbeit“ und „Entschleunigung“ im Arbeitsprozess einschließt.

Christopher Thomas’ persönliche Sicht, seine Sensibilität und sein handwerkliches Können lassen Bilder entstehen, die man als Metapher für jene moderne Hauptstadt des 19. Jahrhunderts betrachten kann, die auch heute noch nichts von ihrer unvergleichlichen Ausstrahlung eingebüßt hat.

Christopher Thomas gehört zu den wenigen Photographen, denen es immer wieder gelingt, mit auratischen, brillant komponierten und technisch perfekt umgesetzten Bildern die Betrachter in Staunen zu versetzen – und uns darüber hinaus ein ästhetisches Vergnügen und ein Werk voll zeitloser Poesie zu offerieren. Sein photographisches Liebesgedicht ist ein „visuelles Gegengift zum Rummel der Metropole“ und zugleich ein Schleier, der sich vor die nüchterne Realität von Fastfood-Restaurants, Verkehrschaos und modernen architektonischen Bausünden schiebt.

Zeitgleich zur Ausstellung in München präsentiert die Galerie Bernheimer Fine Art unter dem Titel „City Portraits“ in der Schweizer Niederlassung in Luzern Arbeiten aus allen vier Städteporträts (Ausstellung von 26. September bis 8. November 2014).