The Art of Platinum Printing

Fr 16 Mai 2014Sa 12 Jul 2014
Öffnungszeiten: 
Mittwoch bis Freitag 12:00 - 19:00 Uhr, Samstag 10:00 - 16:00 Uhr

Vom 16. Mai 2014 bis 12. Juli 2014 zeigt Bernheimer Fine Art in der Haldenstrasse 11 in Luzern eine Gruppenausstellung von musealer Qualität. Diese Ausstellung ist eine Fortsetzung und Ergänzung zu der im Herbst 2013 in München präsentierten, sehr erfolgreichen Gruppenausstellung „Platinum“. Gezeigt werden herausragende Photographiekünstler des 20. und 21. Jahrhunderts, deren Werke in der speziellen Technik der Platinum-Handabzüge gefertigt wurden. Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Horst P. Horst, Sebastian Copeland, Douglas Kirkland, Len Prince und Gregor Törzs.

Ein Platinum-Abzug unterscheidet sich wesentlich von anderen schwarz-weiß Handabzügen: Zunächst ist die Beständigkeit der Abzüge im Vergleich mit allen anderen Arbeiten auf Papier unerreicht. Ein solcher Abzug verliert mit der Zeit nicht an Intensität und nimmt auch dauerhaft keinen Schaden durch das Einwirken von Licht. Die Chemikalien werden für einen Platinum-Abzug mit einem Pinsel in ein handgeschöpftes Papier eingearbeitet und liegen nicht, wie bei herkömmlichen schwarz-weiß Bildern, in einer Emulsion auf dem Papier auf. Das Papier wird für jeden einzelnen Abzug mit größtem Aufwand von Hand bearbeitet. Das heißt auch, dass ein solcher Abzug einen Unikatcharakter erhält, selbst wenn von einem Negativ mehrere Bilder gemacht werden. Auch in einer Edition trägt jeder einzelne Abzug gewisse unterschiedliche Feinheiten, denn ein so aufwändig hergestellter Handabzug kann niemals mit einem anderen identisch sein. Zudem ist die Tonalität in den Grauabstufungen eines Platinum Abzugs im Vergleich zu einem Silbergelatine-Abzug um ein vielfaches reicher; die Graustufen sind so fein, dass selbst in dunklen Bereichen noch eine Zeichnung erkennbar ist.

Gerade im Zeitalter der digitalen Photographie werden diese Merkmale der Platinum-Abzüge bei Kennern und Sammlern aufs Höchste geschätzt.

Das Verfahren der Platin-Abzüge wurde 1873 von William Willis entwickelt und war für viele der bekanntesten Photographen des 19. Jahrhunderts lange Zeit die beliebteste Art ihre Bilder zu entwickeln. Platin war jedoch sehr teuer und später kaum noch zu bekommen, da es zur Zeit des 1. Weltkrieges nur noch für die Herstellung von Waffen gebraucht werden durfte. Bald wurde diese Technik von günstigeren und weniger zeitaufwändigen Verfahren ersetzt und geriet immer mehr in Vergessenheit.

Erst in den 1960er Jahren wurde Irving Penn auf die Methode der Platinum-Abzüge aufmerksam und erlernte anhand alter Aufzeichnungen von William Willis den Prozess autodidaktisch. Er war fasziniert von der unvergleichlichen Qualität, ästhetischen Schönheit und Besonderheit der Ergebnisse dieser Arbeit und machte diese wieder populär.

Seinem Beispiel folgend, veredelten einige der großen Modephotographen des 20. Jahrhunderts ihre herausragenden Arbeiten in dieser speziellen Technik.

Horst P. Horst, der Doyen der Modephotographie, wählte seine bekanntesten Bilder aus und ließ diese in Platin entwickeln, um ausgewählten Motiven einen neuen Kunstcharakter zu verliehen.

Im Herbst 2014 wird Horst P. Horst mit einer großen Retrospektive im Viktoria and Albert Museum, London, geehrt. Eine kleine Gruppe seiner Werke in Platinum bilden einen Glanzpunkt der Ausstellung bei Bernheimer. Diese Abzüge kommen direkt aus dem Nachlass des Künstlers und sind teils noch nie zu vor gezeigt worden.

Die Herstellung von Platinum-Abzügen ist eine eigene Kunst und wird von den Photographen meist für ihre besonderen, ihre besten oder liebsten Bilder gewählt, wie ein Schmuckstück, das man veredelt. Es weltweit nur noch sehr wenige Photolabore, die dieses aufwändige Verfahren noch beherrschen und für einige wenige Künstler arbeiten.

In den letzten Jahren haben sich auch ein paar junge Künstler von dieser besonderen Technik inspirieren lassen und die Fähigkeiten der Herstellung von Platinum Abzüge selbst erlernt, um sich ganz bewusst mit dieser Handarbeit dieser Photographietechnik von den digitalen Medien abzuwenden und abzusetzen.

In der Ausstellung werden u.a. erstmals gezeigte Platinum-Werke des in England geboren Photographen, Abenteurer und Umweltschützers Sebastian Copeland gezeigt. Sebastian Copeland photographierte auf seinen Expeditionen durch die Arktis, Antarktis und Grönland einzigartige Motive, die durch den Platinum Druck die mystische Atmosphäre dieser Landschaften noch vertiefen.

Der Künstler Gregor Törzs, der zur Ausstellungseröffnung anwesend sein wird, hat sich in seinem Berliner Studio auf diese Technik spezialisiert, die er ebenso wie das jeweilige Papier, das er für seine Arbeiten wählt, als einen ganz wesentlichen Teil seiner Kunst versteht. Er liebt es mit unseren Sehgewohnheiten zu spielen und experimentiert mit unterschiedlichen Papieren und Negativen um immer wieder eine ganz neue Ästhetik zu erzielen.

All diesen Photographen geht es nicht nur darum, ein gutes Motiv aufzunehmen, sondern Sie veredeln durch diesen Prozess der Platinum-Abzüge ihre eindrucksvollsten Bilder. Platinum stellt in besonderem Maße die künstlerischen Aspekte der Motive in den Vordergrund und bewahrt sie für die Ewigkeit.

In der Galerie Bernheimer in Luzern werden Platinum-Bilder von Nick Brandt, Brigitte Carnochan, Sebastian Copeland, Horst P. Horst, Douglas Kirkland, Len Prince und Gregor Törzs gezeigt.