Light on Asia

Fr 21 Feb 2014Sa 26 Apr 2014

Im Frühjahr 2014 präsentiert Bernheimer Fine Art Photography die Ausstellung Light on Asia in den Galerieräumen der Brienner Straße 7 in München. Im Rahmen der Einzelausstellung zeigt Bernheimer eine Auswahl an schwarzweiß Photographien des weltbekannten Photographen Michael Kenna, die allesamt auf ausgedehnten Reisen durch Asien entstanden sind.

Der Photograph Michael Kenna hat es sich zur Aufgabe gemacht entlegene Orte aufzusuchen und diese mit seiner Kamera einzufangen. Hierbei nimmt sich der Photograph ausgiebig Zeit, um mit seinen ausersehenen Motiven vollends vertraut zu werden. Der Akt des Photographierens ist für Kenna vorrangig. Für den Betrachter offenbart sich diese intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit den Landschaften anhand der ausgestellten Photographien. Die Bilder sind Zeugnisse des besonderen Gespürs von Michael Kenna für Stimmungen und Komposition. Es scheint, als ob der Künstler die seltene Gabe besitzt, die Seele seiner Motive abzubilden. Dementsprechend wirken die Landschaftsaufnahmen meditativ und strahlen einnehmende Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Die Photographien bilden faszinierende Berge, Seen, Buchten und Weltmetropolen ab und laden zu Tagträumen und Kontemplation ein. Selbst vertraute Motive wirken in Kennas Arbeiten wie Neuentdeckungen, die dem Betrachter ungeahnte Welten eröffnen. Dabei zeigen die sorgfältig gewählten Ausschnitte nie zufällige oder entbehrliche Details, sondern überzeugen durch klare Gliederung und Struktur. Michael Kenna photographiert vornehmlich während der Dämmerung oder bei Nacht.

Bernheimer lädt anlässlich der dritten Einzelausstellung Michael Kennas in der Galerie mit rund fünfzig ausgestellten Photographien zu einer erlebnisreichen Reise quer durch Asien, über Japan, Südkorea, China und Indien nach Vietnam.

Von den „Huangshan Mountains“ im Süden Chinas mit ihren aufragenden, bizarren Felsformen, knorrigen Kiefern und senkrecht abfallenden Berghängen, die wiederholt von einem dichten Wolkenmeer umspielt werden, bis hin zu dem chinesischen „Lijang River“, dessen klares Wasser und zahlreichen Sandbänke ebenso bezaubern, wie die angrenzenden Berge und eindrucksvollen Felsen. Neben der vielförmigen Natur hat Michael Kenna die bedeutendste Industriestadt Chinas festgehalten. Im Dunkel der Nacht funkelt die Skyline von Shanghai mit ihren unverkennbaren Wahrzeichen, dem Oriental Peral Tower und dem Jin Mao Tower.

Aus Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, übermittelt uns Michael Kenna seine Eindrücke der Insel Hokkaido. Die nördlichste der vier japanischen Hauptinseln ist geprägt von ursprünglichen Landschaften, Bergen, Wäldern, klaren Flüssen, zahlreichen aktiven Vulkanen und Thermalquellen. Während die Sommermonate auf Hokkaido meist gemäßigt sind, zeugen Kennas Arbeiten vor allem von der Vielfalt und Schönheit des schneesicheren Winters. Auch der „Yamanaka Lake“, in der Nähe des berühmten und in der japanischen Kunst häufig thematisierten Vulkans Fuji, findet Einzug in Kennas unvergleichliche Bildwelten.

In Südkorea hat Michael Kenna vorwiegend die Landschaft in Shinan festgehalten, welche durch eine Vielzahl unberührter Inseln gekennzeichnet ist. Über einen Zeitraum von zwei Jahren entstanden in diesem Gebiet großartige, teils sehr graphische Photographien, die erstmals im Jahr 2013 in dem Katalog „Shinan“ erschienen sind.

Aus Indien stammen die Bilder von menschenleeren Stränden und Städten. Daneben sind die weltbekannten Teeplantagen um Munnar, einst Sommerresidenz der britischen Regierung in Südindien, Zentrum von Indiens höchstgelegenem Tee- und Gewürzanbau, in der Galerie Bernheimer zu bewundern.

In Vietnam setzte sich der Photograph u.a. intensiv mit der „Ha Long Bay“, der „Bucht der untertauchenden Drachen“, im Norden des Landes auseinander. Die Bucht weist knapp zweitausend Kalkfelsen auf, häufig in Form von unbewohnten Inseln. Wie der Betrachter Michael Kennas Photographien entnehmen kann, eignet sich das Gebiet besonders zum Fischen und zur Austernzucht.

Michael Kenna photographiert seit über zwanzig Jahren mit einer manuell zu bedienenden Hasselblad Kamera. Statt der digitalen Bildbearbeitung setzt Kenna auf die Negativbearbeitung in der Dunkelkammer, welche einen essentiellen Bestandteil seiner Arbeit darstellt. Michael Kenna hat sich auf ein für die zeitgenössische Photographie außergewöhnliches Format festgelegt. Abgesehen von wenigen Abzügen messen seine Photographien 20 x 20 cm.

Nach seiner Ausbildung an der Banbury School of Art, Oxfordshire, England (1972-73) absolvierte Kenna ab 1973 ein Higher National Diploma in Photography, das er 1976 mit Auszeichnung abschloss. 1977 zog er nach San Francisco, wo er bis vor kurzem lebte und arbeitete. Hier lernte er auch die US-amerikanische Photographin deutscher Herkunft Ruth Bernhard (Berlin 1905 – San Francisco 2006) kennen, die seine künstlerische Entwicklung maßgeblich beeinflusste. Bernhard beschrieb Kennas Photographien einmal sehr treffend als „Inseln der Gelassenheit und Ruhe, in einer lauten und chaotischen Welt“[1], und es ist genau diese Qualität der Bilder, die sie so faszinierend machen.

Michael Kenna lebt und arbeitet in Seattle und Washington, USA. In Deutschland wird er exklusiv von Bernheimer Fine Art Photography, München vertreten.


[1] Ruth Bernhard: „Beneath the Silver“, in: Michael Kenna: A Twenty Year Retrospective, Tucson, Arizona 2004.