Colour Today!

Do 28 Nov 2013Sa 25 Jan 2014

Bernheimer Fine Art Photography präsentiert im Winter 2013 in den Galerieräumen der Brienner Strasse 7 in München die Ausstellung Colour Today!. Im Rahmen der Gruppenausstellung zeigt Bernheimer eine Auswahl an Farbphotographien der Künstler Veronica Bailey, Candida Höfer, Guido Mocafico und Christopher Thomas.

Nach der Gruppenausstellung Platinum, die eine der ursprünglichsten Herstellungsarten von Photographien beleuchtete, widmet sich Bernheimer im Winter unter dem Titel Colour Today! nun einem jüngeren Segment: Der Farbphotographie. Ihre Ursprünge reichen bis in die 1930er Jahre zurück, als Kodak und Agfa erstmals kommerziell verwendbare Diapositivfilme herstellten. Im Bereich der Kunst wurden bis in die 1970er Jahre nahezu ausschließlich Schwarz-Weiß-Photographien ausgestellt. Erst ab den 1980er Jahren errang die Farbphotographie ihren festen Platz als Kunstform. Gründe für die späte Anerkennung waren die Lichtempfindlichkeit des Mediums und der Umstand, dass Farbphotographie vornehmlich von Journalisten zum Zweck der Werbung sowie von der breiten Masse der Amateure für den privaten Gebrauch verwendet wurde.

Die Anerkennung der Farbphotographie als Kunstform ist ein kulturelles Phänomen und Ergebnis eines ästhetischen Emanzipationsprozesses, der in den 1970er Jahren in den USA einsetzte und sich mit derartiger Geschwindigkeit vollzog, dass nur ein Jahrzehnt später die Unterscheidung zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Photographie obsolet zu werden begann. Die erste umfangreiche Museumsausstellung von Farbphotographien fand 1976 im MoMA in New York unter dem Titel „Photographes by William Eggleston“ statt. Seither ist die Farbphotographie fester Bestandteil der Kunstgeschichte der Photographie.

Die neu errungene Position der Farbphotographie wird unter anderem dadurch deutlich, dass die bis dato am teuersten verkauften Photographien Farbbilder sind. Die Künstler Cindy Sherman und Andreas Gursky, welche diese Bilder geschaffen haben, gehören heute eher in den Bereich der zeitgenössischen Kunst, als zur Photographie. Zudem wirken Farbphotographien auf den heutigen Betrachter oft moderner als zeitlos klassisch anmutende Schwarz-Weiß-Photographie.

Im Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten digitaler Bearbeitung greifen viele Photographen auf klassische Kompositionstechniken der Malerei zurück und scheinen damit zu einem konservativen Kunstbegriff zurückzukehren. Dieser Trend wird unter anderem von den mittlerweile zu Weltruhm gelangten Becher-Schülern Candida Höfer, Thomas Struth, Andreas Gursky und Thomas Ruff geprägt.

Ein Werk Candida Höfers aus der Serie der Museumsinnenräume wird in der Ausstellung Colour Today! zu sehen sein. Höfers großformatige Farbphotographien sind meist betont sachlich konzipiert. Im Vordergrund steht dabei nicht der Wiedererkennungseffekt der prominenten Räume, sondern vielmehr die bildnerische Gestaltung der Photographie, welche sich durch die Wahl des Bildausschnitts ergibt. Was aufgrund der vollendeten Perfektion auf den ersten Blick unspektakulär scheint, enthüllt sich bei genauer Betrachtung als ein die Architektur durchdringendes Ordnungssystem, das bis in die Tiefe des Bildes präzise zu erkennen ist.

Guido Mocaficos Tableaus könnten den traditionellen Sehgewohnheiten eines Museumsbesuchers allzu bereitwillig gerecht werden und mit ihren geradezu klassischen Kompositionen zu schnellem Kunstkonsum einzuladen. Wenn man jedoch die Vielschichtigkeit seiner Stillleben und Landschaftsaufnahmen zu verstehen versucht, so erfährt man, dass gerade die klassische Bildkomposition heute wie damals eine hochmoderne Aussage in sich birgt: Unter der glatten und gefälligen Oberfläche tauchen tiefgründige Aussagen über Leben, Tod und Vergänglichkeit auf. Sie sind, wie einst bei den Altmeistergemälden - allgegenwärtig.

Auch Veronica Bailey spielt mit Betrachtungsebenen, was unter anderem die Titel ihrer Photographien verraten. Im Rahmen der Ausstellung werden erstmals Bilder aus der Serie About Face gezeigt, die sich lose an das Werk Mr. and Mrs. Woodman von Man Ray aus dem Jahre 1947 anlehnen. Vor schwarzem Hintergrund arrangiert Bailey hölzerne Künstlerpuppen provokant in klaustrophobische Situationen. Entsprechend ihrer früheren Werke geben die Titel der Farbphotographien Hinweis auf eine zweite Bedeutungsebene: die hölzernen Puppen sind allesamt nach weiblichen Künstlern benannt, welche sich dem Surrealismus zuordnen lassen. Der klaustrophobische Effekt der Photographien ist dabei als Anspielung auf die gesellschaftlichen und privaten Verhältnisse der Künstlerinnen zu verstehen.

In seiner neuen Werkserie 90 Cans bannt Christopher Thomas profane Gegenstände, verrostete, im Zerfall befindliche Getränkedosen aus Metall ins Bild. Mittels der Farbphotographie offenbart der Photograph die Schönheit der betörend zarten Farben der 90 Dosen. Wie einzelne Porträtaufnahmen werden sie in gedämpften und verführerischen Tönen vor schwarzem Hintergrund präsentiert.

Obsessiv hat Christopher Thomas in den letzten 15 Jahren auf seinen Reisen durch die Welt Dosen von der Straße aufgelesen. Sein Vorgehen gleicht einer Bestandaufnahme und Typologisierung. Mit einem beinahe archäologischen Blick auf die sichtbaren Überreste alltäglicher Gegenstände konserviert Christopher Thomas die Schönheit, die sich im Verfall offenbart. Im Rahmen von Colour Today! wird erstmals eine Auswahl dieser neuen Serie präsentiert.