Jan C. Schlegel: Faces

Do 20 Jun 2013Sa 3 Aug 2013

Die Bilder der Ausstellung zeugen von den besonderen Begegnungen des Photographen mit einzigartigen Menschen auf seinen Reisen durch Afrika und Asien.

Seit 1998 reist Jan C. Schlegel regelmäßig in entlegene Orte, die weitgehend vom Tourismus und der westlichen Welt abgeschnitten sind. Auf seinen Touren beobachtet der Künstler den rapiden Schwund von Traditionen und zunehmenden Wandel der Lebensgewohnheiten der Menschen in ihren Stämmen durch die Globalisierung. Die unaufhaltsamen Veränderungen weckten in dem Photographen den dringenden Wunsch Menschen zu portraitieren, seine Eindrücke festzuhalten und ihre traditionellen Lebensformen in seinen Bildern zu bewahren. So schafft Schlegel nicht nur künstlerische Photographien, sondern dokumentiert und erhält gleichzeitig in seinen Bildern einzigartige Kunstwerke – die Menschen selbst. Keine der photographierten Personen ist für die Aufnahmen eigens geschminkt oder gekleidet. Nichts ist inszeniert, nichts wird vorgetäuscht. Alle porträtierten Personen werden in ihrem heimischen Umfeld photographiert; auf dem Marktplatz, dem Dorfplatz oder einfach am Straßenrand. Als einziges Stilmittel verwendet Schlegel für jedes seiner Bilder denselben schlichten grauen Hintergrund. Damit richtet er die Aufmerksamkeit auf die Menschen, nicht auf deren Lebensverhältnisse. Kern ist die innere und äußere Anmut der Portraitierten. Schlegel betont ihre Einzigartigkeit, ihren Wert und ihre Unersetzlichkeit. Mit seiner Kunst kämpft Schlegel für die Besonderheit und Individualität der Kulturen.

61 Länder hat er in den letzten Jahren bereist, stets auf der Suche nach der unverwechselbaren Schönheit und Vielfalt der Völker. Seine Kompositionen, das stark kontrastierende Spiel mit Licht und Schatten, die innere Kraft, sowie die außergewöhnlichen Perspektiven gewähren einen Blick auf den verborgenen kulturellen Reichtum dieser Welt, welcher immer seltener zu finden ist.

Oft verweilt Schlegel mehrere Wochen bei einem Stamm, um diesen in seinen Lebensgewohnheiten kennen zu lernen und zu begreifen. Mit seinem Assistenten lebt Schlegel in einfachsten Verhältnissen unter den Menschen, die er zu porträtieren sucht. Nach und nach erlangt er so ihr Vertrauen, um Bilder in der gewünschten Nähe und Intimität machen zu können.

In seinen Aufnahmen öffnet uns Jan C. Schlegel einen Blick für die fremden Kulturen und ermöglicht uns, dabei etwas über die Einzigartigkeit jedes Menschen zu erfahren.

So begegnen wir Biwa, 44 Jahre, aus Äthiopien, einem der angesehensten Krieger seines Karo Stammes. Voll Stolz und mit großer Kraft stellt er sich vor dem Photographen in Pose. Sein Ruhm besagt, er habe drei Löwen, vier Elefanten, fünf Leoparden, fünfzehn Büffel und zahlreiche Krokodile getötet.

Mit zarten Blick sieht uns Monteria, 10 Jahre, aus glasklaren blauen Augen an. Schlegel fand sie in Nuristani in Pakistan. Ihre Familie stammt von dem Volk der Kalashi ab, ein eigener Volkstamm aus dem Gebiet zwischen Pakistan und Kaschmir. Die Kalashi haben einen polytheistischen Glauben und sind sehr naturverbunden, ihre Kultur unterscheidet sich maßgeblich von den ethnischen Stämmen, die sie umgeben. Heute leben sie in einer abgeschiedenen Gegend am Hindukusch, wo sie ihre traditionelle Kultur, ihre Kleidung und ihre spirituellen Gebräuche und Festlichkeiten immer mehr verlieren.

Nale, achtzehn Jahre alt, dem Sure Stamm in Äthiopien zugehörig, lebt in einem kleinen Bergdorf nahe der Grenze zum Sudan. Sie ist die Tochter eines der Ältesten des Stammes. Die Größe ihres Ohrschmucks zeigt den Umfang ihrer Aussteuer an. Je größer die Platte in ihrem Ohr, desto größer die Mitgift. Mit erhobenem Kopf präsentiert sie ihren Schmuck der Kamera und gibt so auch etwas Preis über ihr Selbstverständnis und ihren Stolz.

Seit dem Beginn der Geschichte gliedert sich die Menschheit in eine fast endlose Anzahl von Kulturen, Völkern und Stämmen. Alle haben sie ihre eigene Art zu leben, und eine ganz eigene Sicht der Dinge, eigene Wertvorstellungen und Lebensweisen. Die Gesichter dieser Menschen prägen sich unserem Gedächtnis ein und erinnern uns in ihrer herausragenden Ästhetik daran, wie wichtig es ist, ethnokulturelle Identität in all ihrer Vielfalt zu bewahren.

Die Schwarz-Weiß-Photographien von Jan C. Schlegel werden mit einer 4 x 5 klappbaren Laufbodenkamera (Ebony SV45 Ti) auf traditionellem Film (Kodak Tmax 400) aufgenommen. Der Photograph verzichtet vollends auf digitale Nachbearbeitung. Seine Bilder werden auf Barytpapier auf die Maße 50 x 60 cm oder 77 x 86 cm vergrößert.

Jan C. Schlegel tönt jeden Abzug händisch mit seiner eigenen Mixtur. Diese hat der Künstler über zwei Jahre persönlich entwickelt und verleiht den Photographien eine spezielle innere Kraft und Tiefe. Der Tönungsprozess zieht sich über mehrere Stunden und endet immer mit einem ganz individuellen Resultat. So ist jede Photographie Jan C. Schlegels ein Unikat. Um eine maximale Haltbarkeit zu garantieren und die Tiefen der Schatten zu verstärken, werden die Bilder abschließend mit Selen getönt und auf 2mm dickes Aluminium kaschiert.