Michael Kenna - Forms of Japan

Do 22 Okt 2015Mi 23 Dez 2015
Öffnungszeiten: 
MI – FR 12:00 - 18:00, SA 10:00 - 16:00 und nach Vereinbarung (geschlossen 11. - 15. NOV)

Anlässlich Michael Kennas Premiere des Buches „Forms of Japan“ präsentiert Bernheimer in der gleichnamigen Ausstellung Arbeiten des Photographen aus Japan.

Michael Kenna ist einer der renommiertesten Landschaftsphotographen der Gegenwart und besitzt eine unverwechselbare Einfachheit und Klarheit in seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Vor allem Japan hat es dem vielbereisten Photographen angetan, wohin er seit seiner ersten Reise vor über 30 Jahren immer wieder zurückkehrt und sich seiner Faszination der japanische Landschaft sowie die Lebensphilosophie hingibt. Seine Photographien zeigen klar umrissene Elemente in reduzierter Formsprache und poetischer Inszenierung. In meditativer Wiederholung begegnet der Betrachter einsamen Bäumen, Bergsilhouetten, Brücken, Wasserstelen und kleinen Inseln. Seine sensiblen Photographien erscheinen als ein Versuch das ästhetische Feingefühl der japanischen Seele offenzulegen.

Einen wesentlichen Einfluss auf Michael Kennas Stil hatte die sogenannte Haiku Poesie, die als kürzeste Gedichtform der Welt gilt. Das ursprüngliche japanische Haiku besteht meistens aus drei Wortgruppen, die vertikal aneinandergereiht werden. Ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Dichtform ist der Naturbezug, wobei die Natur stets als Repräsentant für erlebte Momente und die damit verbundenen Gefühle steht. Die Natur gilt somit als Spiegel der Seele. Zwar gibt es gewisse Symbolbilder, denen eine bestimmte Bedeutung zugeschrieben wird, der Sinn dieser Dichtung ist aber seine Offenheit gegenüber unerschöpflichen Interpretationen, die erst durch die lesende Person vervollständigt wird.

So können die einzelnen Elemente bei Kenna eine bestimmte Bedeutung erfüllen, wie es auch in seinem Buch Forms of Japan von Yvonne Meyer-Lohr vorgeschlagen wird. Das Meer bzw. Wasser steht als Sinnbild der Isolation, welches die kleine Felsformationen und Stelen von den Ufern fernhält. Für Japans Geschichte ist dieser Aspekt essentiell, denn das Meer schottete sie von dem Rest der Welt ab, weshalb über Jahrhunderte eine eigene isolierte Kultur entstand. Das Land in Form der Berge und des Festlands symbolisiert die Kraft. Es wirkt statisch und gibt der Umgebung ihre Form. Doch ist dieser Schein trügerisch, denn sie verändert sich ebenso im Laufe der Zeit - ein zerstörerisches und erhaltendes Element zugleich. Der Baum ist ein Zeichen der immerwährenden Veränderung und der Transformation. Er wandelt sich im Rhythmus der Jahreszeiten und ist niemals derselbe wie im Jahr zuvor. Der Himmel steht für die Auflösung und das transitorische Moment. Im Bewusstsein der Vergänglichkeit und eigenen Sterblichkeit reflektiert der Mensch schmerzhafte Schönheit der Flüchtigkeit. Zudem existiert noch das fünfte Element, welches nicht direkt sichtbar, aber in der Atmosphäre spürbar ist: der „Spirit“ bzw. der „Geist“. Durch ihn wird die Leere mit einer Fülle durchdrungen. Er steht für die gleichzeitige Absenz und Präsenz und somit für die Einheit und Vollkommenheit, welches den Grundgedanken der Zen Philosophie repräsentiert: „Das Eine in Allem und alles in dem Einen“.

Jedoch gibt Kenna nur gewisse Hinweise, die als Katalysatoren für Vorstellungskraft des Betrachters dienen und wehrt sich, wie die Haiku Poesie, gegen ein konkretes entziffern der Bildgegenstände. Im Sinne des Zen-Buddhismus geht es ihm eher darum eine Wahrheit „aufblitzen“ zu lassen und die eigentliche Bedeutung in der Schwebe zu lassen. Er kreiert einen offenen Raum, der im Stande ist Gedanken und Gefühle zu absorbieren und die eigene Imagination spielen zu lassen. Dadurch kehrt er die Leere in eine Fülle um und macht sichtbar, das was eigentlich unsichtbar ist: die Grazie der kleinen, einfachen Dinge in ihrer minimalistischen Erscheinung und enthüllt, das was im Zwischenraum liegt.